Biografie

“Nur unter Druck entsteht ein Diamant, 
doch Kohle rieselt durch die kalte Hand” 

druck, 2025

Ich blicke auf 15 Jahre Künstler-leben zurück. Ich war Schauspieler, Musiker, Rapper, Sounddesigner, Tänzer und Autor, aber auch Barkeeper, Kabelträger und Handlanger auf Baustellen. Ich habe mich nie bewusst dafür entschieden. Es ging für mich einfach nicht anders. All diese Dinge habe ich geliebt zu tun. Mal mehr, mal weniger. Ich hatte viel Glück damit, auch immer wieder mein Leben mit Kunst bestreiten zu können.

Dennoch schlich sich vor 10 Jahren etwas ein. Ich war mehr und mehr auf der Suche nach der Sicherheit, dem großen Fang, der mir endlich ermöglicht, “meine Kunst” zu machen. Eine Suche nach dem perfekten Moment, um mit meinem großen Traum beginnen zu können. Um das zu erreichen, habe ich mir das Jackett eines Geschäftsmannes angezogen. Ich habe meine Kreativität angeboten, sie schön verpackt und verkauft. Ich habe den Künstler in mir, der sich einfach nur ausdrücken wollte, gelernt zu ignorieren. Ich habe ihm gesagt, dass er naiv ist. Das er noch warten muss, bis er dran ist. Ich habe vergessen, warum ich mir das Produzieren beigebracht habe. Ich habe vergessen, warum ich lieber im Off-Szene-Theater ohne Vergütung irgendwelche irren Stücke gespielt habe, als in der Vorlesung zu sitzen. Ich habe vergessen, warum ich einem Filmkomponisten assistiert habe.

Also habe ich immer kleiner und leiser an eigener Musik geschraubt und bin immer mehr dem Glauben verfallen: “Ich muss doch vernünftig sein. "Erstmal Karriere und Geld und Sicherheit, bevor ich machen kann, was ich will.” Ein stetig wachsendes “Bevor”, vor einem schrumpfenden “Und dann”. Mein Körper und meine Psyche haben Ende 2025 kurzerhand diese Entscheidung für mich übernommen. Der Dauerlauf der letzten Jahre wurde zu einem Stolpern, dann Fallen und dann liegen bleiben. Angst, Depression, Stoppschild. 

“Vom Komparsen zum Mainact, folge den Bildern wie blind —
da wartet ein großes Los hinter dem Sinn”

wenn ich geh, 2024

Ich hab mir eine Auszeit genommen, mich um mich und meine Gesundheit gekümmert und mich  vorsichtig und ganz minimalistisch mit dem Künstler in mir beschäftigt. Ich hab meine Gitarre wieder in die Hand genommen. Ich habe geschrieben, nur für mich. Ich habe meine alten Songs gehört, die ich nie veröffentlicht habe. Ich habe geweint, gelacht und dann gesungen obwohl ich mich das davor nie getraut habe. Es musste raus. .

Zwischen Therapie, Meditation, Nervenzusammenbruch und Arztterminen schrieb ich einen Song nach dem anderen, einen Text nach dem anderen und verpasste alten Songs, neue Gewänder. Ich schrieb meine Gedanken auf, meine Erfahrungen der letzten Jahre, meine Erkenntnisse. Schmerzhafte, wie auch schöne.

Und plötzlich spielte ich vor und für Menschen. Einfach weil sie mich danach fragten. Ich. Einfach nur mit Gitarre. In kleinen Runden. Die letzten Jahre noch völlig unvorstellbar und plötzlich Realität. Und alles in mir schien sich zu lösen. Hier war ich richtig und hier gehöre ich hin. Mitten in meiner Kunst.


“Seh die Angst, seh die Scham, ich bin gut, Wiederkehr.

Sicherheit in mir drin, bin so vieles und noch mehr “

zurück zu mir, 2026

Ob das vernünftig erscheint, oder nicht ist mir heute egal. Ob es naiv wirkt, ist für mich nicht mehr wichtig. Wichtig ist, dass ich das Privileg habe, etwas gefunden zu haben, was mich glücklich macht. Auch wenn es nicht einfach ist, ich weiß, dass ich es tun muss. “Hier und Jetzt und nicht irgendwann". 

Ich bin Emanuel. Ich bin Künstler.